Oliver Meyer

Oliver Meyer

Montag, 30 November -0001 00:00

Trinkst du genug?

Mir war schon lange klar, dass ich nicht genug trinke. Also habe ich vor etwa zwei Jahren begonnen, erst eine Flasche Wasser zu trinken, bevor ich meinen Morgenkaffee genieße.

Warum ist es so wichtig, dass wir ausreichend trinken? Weil unser Körper zu über 50% aus Wasser besteht und er deshalb viel Flüssigkeit benötigt, um zu funktionieren und leistungsfähig zu bleiben. Ein leichter Flüssigkeitsmangel kann bereits Beschwerden, wie Kopfschmerzen, trockene Haut und Müdigkeit verursachen. In schweren Fällen kann er zu ernsthaften Problemen bis hin zum Tod führen. Offenbar ist dabei unser Durstgefühl nicht der beste Indikator. Wenn wir durstig sind, ist bereits ein Flüssigkeitsmangel entstanden.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass unser Herr Jesus genau das Bild des Durstes gebraucht, um unser geistliches Bedürfnis zu beschreiben. Damit sind wir alle gut vertraut. Deshalb ist dieses Bild auch so effektiv. Das wird besonders deutlich im Gespräch unseres Herrn Jesus mit der Frau am Brunnen. Sie hatte versucht, ihren geistlichen Durst auf eigene Weise zu stillen – durch die Beziehung zu verschiedenen Männern. Und offenbar war sie sich ihres geistlichen Durstes nicht einmal bewusst. Zudem hatte sie mehrere wichtige Wahrheiten in Bezug auf den Herrn nicht verstanden: Wer Jesus ist, was er ihr anbot und wie sie es erhalten konnte.

Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! So hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. (Joh. 7,10)

Am Ende des Abschnitts kommt das Gespräch auf den Messias (V. 25) und Jesus sagt: „Ich bin es, der mit dir redet“. In diesem Moment werden die geistlichen Augen der Frau geöffnet, sie erkennt ihren geistlichen Durst und nimmt Jesus als ihren Erlöser an. Der Text sagt es zwar nicht ausdrücklich, aber das Zeugnis der Frau und dessen Auswirkung zeigt, dass sie tatsächlich bekehrt war.

Wie wunderbar, wenn ein Mensch sein geistliches Bedürfnis erkennt und Jesus annimmt. Aber dieser Abschnitt ist nicht nur relevant für Ungläubige. Auch wir Gläubige haben tiefe geistliche Bedürfnisse, die nur unser Herr Jesus stillen kann, denn er ist das „Lebendige Wasser“. Leider spüren wir diesen Durst nicht immer und ähnlich wie bei unserem körperlichen Durst, manchmal viel zu spät. Oft versuchen wir auch unseren Durst mit anderen Dingen zu stillen. Möglichkeiten dazu gibt es viele.

Sicherlich ist die Errettung der Frau am Brunnen wichtig. Aber die zentrale Wahrheit dieses Abschnitts ist, dass Jesus Christus unsere tiefen geistlichen Bedürfnisse stillen möchte. Dabei geht es nicht darum, dass Jesus uns das Wasser gibt, ER IST das „lebendige Wasser“. So wie unsere Körper ausreichend Wasser benötigen, brauchen wir Jesus ausreichend in unserem Leben.

Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! (Joh. 7,37)

 

 

Samstag, 04 März 2017 14:25

Wie Knete in Gottes Hand

Unsere Kinder spielen gern mit Knete. Ein Evergreen: Die meisten von uns kennen Knete und ähnliches Kreatives bereits aus der Kindheit. Als ich etwa 8 Jahre alt war, meldete mich meine Mutter im Ricklinger Freizeitheim in Hannover zu einem Töpferkurs an. Das war dann die Steigerung vom Spielen mit Knetgummi, denn man konnte die kleinen getöpferten „Kunstwerke“ brennen und mit nach Hause nehmen. Ein paar meiner Schöpfungen haben mich über Jahre hinweg begleitet.

Das Bild des Tons, das der Töpfer mit seinen Händen bearbeitet, finden wir auch in Gottes Wort:

Aber nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände. (Jes. 64,7)

Obwohl es hier im Zusammenhang um den Überrest Israels geht, der im Tausendjährigen Reich auf das gnädige Handeln Gottes zurückblickt (Jes. 63,7-64,12), ist das natürlich auch ein wunderbares Bild für unsere Beziehung zu Gott und für das Werk, das er in uns wirkt.

So wie ein Töpfer (Bildner) sozusagen der Vater des Gegenstands ist, den er erschaffen hat, so ist Gott unser Schöpfer und Vater. Aus dem Grundmaterial des Tons schafft der Töpfer einen Gegenstand, der schön und nützlich zugleich ist. Aber bis zu dem fertigen Gefäß ist es ein langer Weg. Der Töpfer muss den Ton zuerst formen. Dazu zieht er den Tonklumpen unter sanftem Druck mit den Händen herauf. Danach wird das getrocknete Werkstück bei einer Temperatur bis zu 1200° C gebrannt. Dadurch erhält das Tongefäß seine typischen Eigenschaften.

Das Bild passt natürlich hervorragend als Beschreibung unseres geistlichen Wachstumsprozesses. In Gottes Händen sind wir wie ein Tonklumpen, den der Töpfer bearbeitet. Der Druck und das Nachgeben unter diesem Druck verleihen uns die Form, die der Vorstellung unseres Bildners entspricht. Das Vorbild ist natürlich unser Herr Jesus Christus selbst (Röm. 8,29). Aber der Ton muss auch der Hitze des Brennofens ausgesetzt werden, um seine typischen Eigenschaften zu erhalten. In ähnlicher Weise wirken Schwierigkeiten in unserem Leben, auch wenn uns dieser Gedanke schwerfällt. Aber immerhin ist Gott ja der Bildner. Er kennt genau das richtige Maß an Druck und Hitze, das wir benötigen.

Aber weil sich Veränderung nicht unbedingt gut anfühlt, besteht die Gefahr, dass wir uns dagegen wehren oder ihr sogar widerstehen. Auch dazu hat Jesaja etwas zu sagen:

Weh dem, der mit seinem Bildner rechtet - ein Tongefäß unter irdenen Tongefäßen! Sagt etwa der Ton zu seinem Bildner: Was machst du?, und sagt etwa dein Werk von dir: Er hat keine Hände? (Jes. 45,9)

Wie merkwürdig wäre die Vorstellung, dass ein Tonklumpen beginnt zum Töpfer zu sprechen und seine Arbeit in Frage zu stellen. Aber wie ist das, wenn Gott schwierige Umstände in unserem Leben zulässt. Vertrauen wir da im Glauben ganz und gar auf Seine Fähigkeit uns zu verändern oder stellen wir Sein Wirken in unserem Leben in Frage?

Glaube bedeutet Gott zu vertrauen, egal wie ich mich dabei fühle, weil Gott mir ein gutes Ergebnis verspricht.

Eines ist klar: Gott wird Sein Ziel erreichen (Phil 1,6). Wäre es da nicht viel weiser, Sein Wirken in unserem Leben zuzulassen, anstatt der Veränderung zu widerstehen?

Wäre es nicht besser, wie Knete in Gottes Hand zu sein?

 

 

Donnerstag, 26 Januar 2017 10:29

Wenn Heilige sündigen

Ich bin in einem säkularen Umfeld aufgewachsen. Als ich mit 21 Jahren zum Glauben an Jesus Christus kam, wusste ich so gut wie nichts über Gott und Sein Wort. So hatte ich viele falsche Ideen über die Nachfolge. Eine davon war, dass ich irgendwann die Sünden (zumindest die großen) in meinem Leben überwunden haben würde und dem Herrn dann wirklich dienen könnte. In der Realität gab es Sünden, die ich mit Gottes Hilfe relativ schnell ablegen konnte, während andere deutlich hartnäckiger waren und sind.

Die Tatsache ist, dass wir diesen Kampf gegen die Sünde in unserem Leben alle miteinander teilen – jeder von uns. Wobei das Ergebnis des Kampfes ja eigentlich schon feststeht, denn Jesus hat für uns den Sieg errungen. Dennoch bestätigt Gottes Wort die Realität des Kampfes. Sogar sehr reife Christen sündigen noch. Denken wir nur an Davids Sünde mit Bathseba, Petrus, der den Herrn verleugnete oder Paulus (Röm. 7,19). Und obwohl Gott uns dazu auffordert heilig zu sein, wie Er heilig ist (1 Pet. 1,16), rechnet Gottes Wort ganz klar damit, dass wir immer wieder straucheln werden (Gal. 6,1; 1 Joh. 1,10). Frustrierend, nicht wahr?

Dabei hätte Gott einfach unsere Sündennatur beseitigen können, damit wir nicht mehr sündigen. Dass Er dazu in der Lage ist, sehen wir daran, dass wir in der Ewigkeit von unserer Sündennatur frei sein werden. Warum lässt uns also unser liebevoller himmlischer Vater noch in diesem Zustand? Warum lässt Er es zu, dass wir gegen Ihn und gegeneinander sündigen und uns dabei selbst Schaden zufügen? Dazu müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass alles was geschieht, zu Seiner Herrlichkeit und unserem Besten geschieht – sogar die Sünde, die Gott zulässt. Das bedeutet, dass Gott etwas gebraucht, das Er hasst, um zu erreichen, was Er liebt.

Welche „positiven“ Auswirkungen mag es haben, dass Gott es zulässt, dass wir sündigen, obwohl Er Sünde hasst? Sicher gibt es weitere Gründe, aber diese sind mir eingefallen:

  • Wir lernen Gottes Güte und Gnade besser kennen.
  • Wir lernen mehr darüber, wie schwach wir wirklich sind.
  • Wir lernen mehr darüber, wie sehr wir von unserem Herrn Jesus abhängig sind.
  • Wir wachsen in unserer Geduld gegenüber unseren Geschwistern, weil wir unsere eigene Fehlbarkeit deutlicher erkennen.

Das alles soll keine Entschuldigung sein, Sünde in unserem Leben zu tolerieren. Vielmehr möchte Gott, dass wir weiter gegen die Sünde kämpfen und sie ablegen. Aber es zeigt uns inmitten unserer Kämpfe auch das Ziel, das Gott damit verfolgt: unser geistliches Wachstum. Und das sollte uns ermutigen nicht aufzugeben, sondern weiter zu kämpfen.

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge [sogar Sünde, die Gott zulässt] zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. (Röm. 8,28)

 

 

 

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